Die Büttenrede und das Tanzmariechen

Büttenreden sind nicht aus dem Fasching wegzudenken; ebenso wie die Tanzkongregationen, die meistens von einem Funkenmariechen angeführt werden. Beide sorgen für eine Menge Spaß bei den Menschen, die sich im Karneval oder in der Fastnacht, oder wie die tollen Tage eben in der Region genannt werden, amüsieren wollen. Das närrische Treiben, in welchem sich einmal schaurig, einmal lustig maskierte Menschen treffen, um gemeinsam Spaß zu haben, zu tanzen und gesellig beieinander zu sitzen, wird von glanzvollen Prunksitzungen gekrönt, in denen hervorragende Büttenredner und akrobatische Tänzer ihre Künste präsentieren. Manche bekannte Band ging aus diesen Veranstaltungen hervor, ebenso, wie man einige Büttenredner schon als Komödianten wieder fand.

Am 11.11. um 11 Uhr und 11 Minuten stürmen die Narren ihre Städte und läuten die fünfte Jahreszeit ein. Zu dieser Zeit sollten schon alle Büttenreden weitestgehend im Kasten sein, bis auf einige wenige Aktualisierungen, die aufgrund des Zeitgeschehens nötig sind. Eloquenz und das Geschick, zwischen den Zeilen etwas auszudrücken, gehören ebenso zu den Büttenreden, wie direkte Seitenhiebe und saftige Kritik, natürlich in Reimen verpackt. Ein dreifach donnerndes Helau oder Alaaf wird oftmals ausgerufen. Die Faschingszeit wird in manchen Hochburgen wirklich voll ausgekostet, bevor der Aschermittwoch eine Zeit voller Fasten und Enthaltsamkeit ankündigt.

Ein Büttenredner stellt schon als Person etwas dar. Bekannte Redner sind der Weltenbummler, der Werbefachmann und auch das Thusneldsche; man kennt nicht nur sie, sondern alle ihre liebenswerten Kollegen aus den TV Übertragungen der großen Prunksitzungen aus Köln und Mainz. Nicht jeder hält seine Rede in hochdeutsch; Dialekt findet sich hier überall. Da werden dann nach Herzenslust die Politik und das zeitgenössische Geschehen auf die Schippe genommen. Namentlich angesprochen oder nur eindeutig umrissen ist egal: Jeder Reim sitzt, wackelt und hat Luft. Am liebsten haben es die Redner, wenn die beschriebenen Personen im Saal sitzen; hier darf niemand böse sein, denn schließlich ist Fasching.

Wochenlange Übung steht nicht nur hinter dem Auftritt des Büttenredners, sondern auch dem des Funkenmariechens. Da muss jeder Griff und jeder Schritt stimmen, ebenso wie sich der Redner frei auf der Bühne bewegen können muss. Nicht alle Büttenredner bleiben an ihrem Pult, und selbst wenn sie dort stehen, darf so eine Rede nicht abgelesen wirken. Urgesteine des Faschings können es kaum erwarten, den Gästen im Saal auf diese Weise die Meinung des Volkes kund zu tun. Tränen vor Lachen haben diese dann in den Augen, ebenso, wie sie in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen, wenn das Mariechen wieder in tollen Saltos über die Bühne tanzt.